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Der Weltgesundheitstag am 7. April macht deutlich, dass Gesundheit mehr ist als medizinische Versorgung: Sie ist geprägt von sozialen, ökonomischen und politischen Bedingungen, die über Lebensqualität und Chancen entscheiden.

„Um wirklich visionär zu sein, müssen wir unsere Vorstellungskraft in unserer konkreten Realität verwurzeln und gleichzeitig Möglichkeiten jenseits dieser Realität denken.“

(hooks, 2000, Feminism is for Everybody: Passionate Politics, übersetzt)

Dieses Zitat bringt den Kern auf den Punkt: Es reicht nicht, einzelne Symptome zu behandeln – gesellschaftliche Strukturen, Barrieren und Ungleichheiten müssen sichtbar gemacht und adressiert werden. Studien zeigen, dass gesundheitliche Chancen stark von Faktoren wie Einkommen, Bildung, Wohnsituation und rechtlichem Status abhängen (siehe: World Health Organization (2008). Closing the gap in a generation: Health equity through action on the social determinants of health). Menschen in prekären Lebenssituationen sind häufig höheren gesundheitlichen Risiken ausgesetzt und haben zugleich erschwerten Zugang zu Versorgung (siehe: Marmot, M. (2005). Social determinants of health inequalities. The Lancet, 365(9464), 1099–1104.).

Besonders deutlich wird dies in marginalisierten Lebens- und Arbeitsbereichen. Rechtliche Einschränkungen, Stigmatisierung und soziale Ausgrenzung können den Zugang zu medizinischer Versorgung erheblich erschweren. Untersuchungen zeigen, dass Sexarbeitende oft strukturellen Barrieren ausgesetzt sind und Gesundheitsangebote nur eingeschränkt nutzen können (siehe: Platt, L. et al. (2018). Associations between sex work laws and sex workers’ health: A systematic review and meta-analysis.The Lancet, 392 (10144), 698–710). Auch trans* und nicht-binäre Personen berichten von fehlender Sensibilität, Diskriminierung und unzureichenden Angeboten im Gesundheitswesen (siehe: Reisner, S. L. et al. (2016). Global health burden and needs of transgender populations: a review. The Lancet, 388 (10042), 412–436.

Gesundheit ist nicht nur individuelle Verantwortung, sondern ein Spiegel gesellschaftlicher Bedingungen. Wer Zugang zu Versorgung, Schutz und Unterstützung hat, wird wesentlich von bestehenden Strukturen, politischen Entscheidungen und sozialen Rahmenbedingungen bestimmt. Der Weltgesundheitstag erinnert daran, dass es Aufgabe aller ist, Barrieren abzubauen, Ungleichheiten sichtbar zu machen und gesellschaftliche Räume zu schaffen, in denen jede*r ein selbstbestimmtes, gesundes Leben führen kann.

Der Transgender Day of Visibility am 31. März rückt die Lebensrealitäten, Perspektiven und gesellschaftlichen Beiträge von trans* und nicht-binären Menschen in den Mittelpunkt. Sichtbarkeit ist dabei mehr als bloßes Gesehenwerden: Sie ist eine zentrale Voraussetzung für Anerkennung, Teilhabe und die Möglichkeit, das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten.

In vielen gesellschaftlichen Bereichen ist diese Sichtbarkeit noch immer ungleich verteilt. Strukturelle Barrieren im Zugang zu Arbeit, Gesundheitsversorgung, rechtlicher Anerkennung und sozialer Absicherung prägen die Lebensrealitäten vieler trans* Personen. Diese Ungleichheiten zeigen, wie stark gesellschaftliche Normen darüber entscheiden, wessen Identität als selbstverständlich gilt und wessen nicht.

Eine intersektionale Perspektive macht deutlich, dass sich Diskriminierung entlang verschiedener sozialer Kategorien überlagern kann. So wirken Faktoren wie Herkunft, sozialer Status, Aufenthaltsrecht oder Erwerbstätigkeit zusammen und beeinflussen individuelle Handlungsspielräume. Besonders in marginalisierten Arbeitsfeldern – etwa in der Sexarbeit – sind trans* Personen häufig mehrfacher Stigmatisierung ausgesetzt und erleben erschwerte Zugänge zu Schutz, Beratung und Gesundheitsangeboten.

Sichtbarkeit bedeutet in diesem Zusammenhang auch, Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Lebensrealitäten anerkannt werden und Stimmen gehört werden können. Sie ist eng verbunden mit dem Zugang zu Rechten, Ressourcen und gesellschaftlicher Beteiligung.

Der Transgender Day of Visibility bietet Anlass, über die Bedeutung von Sichtbarkeit, Vielfalt und sozialer Gerechtigkeit nachzudenken und sich für eine Gesellschaft einzusetzen, in der alle Menschen anerkannt werden und gleichberechtigt teilhaben können.

Der Internationale Frauentag am 8. März erinnert an die jahrhundertelangen Kämpfe von Frauen* für politische Teilhabe, soziale Rechte und ökonomische Gleichstellung. Historisch wurzelt er in den Arbeiterinnenbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts, in denen Frauen* das Recht auf Arbeit, faire Löhne und Schutz vor Ausbeutung forderten. Diese Themen sind bis heute relevant: Sie verbinden Fragen von Geschlecht, Arbeit und Selbstbestimmung und machen sichtbar, wie ökonomische und soziale Strukturen die Handlungsmöglichkeiten von Frauen* prägen.

Feministische Analysen zeigen, dass Arbeit kein neutraler Bereich ist, sondern ein Feld, in dem Machtverhältnisse und soziale Hierarchien ausgehandelt werden. Tätigkeiten, die überwiegend von Frauen* ausgeübt werden oder gesellschaftlich als „nicht-normativ“ gelten, erfahren häufig systematische Abwertung und Moralzuschreibungen (siehe: Mandel, H., Lazarus, A., & Moreno, A. (2024). The Value of Work: The Gendered Outcomes of Organizational Wage Reforms. Work and Occupations, 30(3), 69–96). Sexarbeit ist ein besonders prägnantes Beispiel: Sie wird politisch und moralisch stark reguliert, häufig stigmatisiert und selten als Erwerbsarbeit anerkannt, obwohl sie klare ökonomische und soziale Realitäten abbildet (siehe: Weitzer, Ronald. (2010). The Mythology of Prostitution: Advocacy Research, Policy, and Practice. Sexuality Research & Social Policy, 7(3), 1–11.)

Eine intersektionale Perspektive macht zusätzlich sichtbar, dass Diskriminierung entlang von Geschlecht, Herkunft, sozialem Status, Aufenthaltsrecht oder sexueller Identität wirkt (siehe: Intersektionalität – Gleichstellungsportal, Intersektionalität). Besonders stark betroffen sind davon Sexarbeitende, trans* und nicht‑binäre Personen, die oft mehrfachen Barrieren ausgesetzt sind und deren Selbstbestimmung durch rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen beeinflusst wird.

Unser Ansatz ist ein feministischer, der sich an den Stimmen und Bedürfnissen der Menschen orientiert, die wir beraten. Wir setzen uns dafür ein, Arbeitsrechte zu stärken, Zugänge zu Beratung, Information und Gesundheitsversorgung abzusichern und Barrieren abzubauen. Feminismus bedeutet hier, strukturelle Ungleichheiten sichtbar zu machen und Handlungsspielräume aktiv zu erweitern.

Der Internationale Frauentag bietet Anlass, über feministische Perspektiven auf Arbeit, Körper und Selbstbestimmung nachzudenken und solidarisch für Rechte, Schutz und Handlungsmacht aller Frauen* einzutreten, auch dort, wo gesellschaftliche Anerkennung noch immer erkämpft werden muss.


Der 3. März ist ein weltweiter Gedenk- und Aktionstag, der auf die fortdauernden Kämpfe von Sexarbeitenden für Anerkennung, Schutz und gesellschaftliche Gleichstellung aufmerksam macht. Im Zentrum stehen dabei nicht nur rechtliche Gleichstellung, Schutz vor Gewalt und Zugang zu Gesundheitsversorgung, sondern auch die gesellschaftliche Anerkennung von Sexarbeit als Erwerbstätigkeit sowie die Sichtbarkeit der Expertise der Menschen, die diese Arbeit leisten.

Sexarbeit ist in vielen Gesellschaften nach wie vor stigmatisiert. Diese Abwertung ist kein individuelles Phänomen, sondern Ausdruck einer gesellschaftlichen Doppelmoral, die Leistung, Moral und Sexualität hierarchisiert. Sexarbeitende werden häufig auf ihre Rolle als „Objekte“ reduziert, während ihre Expertise, Selbstbestimmung und politische Stimme unsichtbar bleiben. Dabei beeinflusst Stigmatisierung nicht nur gesellschaftliche Wahrnehmungen, sondern hat konkrete Auswirkungen auf Sicherheit, Gesundheit und soziale Teilhabe (siehe: Pheterson, Gail. (1996). The Prostitution Prism. Amsterdam University Press).

Internationale Forschungs- und Menschenrechtsorganisationen zeigen seit Jahren: Nicht die Tätigkeit selbst, sondern vor allem ihre rechtliche und soziale Regulierung bestimmt maßgeblich die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeitenden. Restriktive oder kriminalisierende Ansätze erhöhen nachweislich das Risiko von Gewalt, erschweren den Zugang zu Justiz und Gesundheitsversorgung und verstärken strukturelle Abhängigkeiten (siehe: Amnesty International. (2016). Policy on State Obligations to Respect, Protect and Fulfil the Human Rights of Sex Workers. London). Auch die Weltgesundheitsorganisation betont, dass Stigmatisierung und Strafverfolgung zentrale Barrieren für Prävention und Gesundheitsversorgung darstellen (siehe: WHO, UNFPA, UNAIDS, NSWP. (2013). Implementing comprehensive HIV/STI programmes with sex workers: Practical approaches from collaborative interventions. WHO Press, Genf.https://iris.who.int/bitstream/handle/10665/96614/WHO_HIV_2013.144_eng.pdf).

Empirische Untersuchungen aus dem Gesundheitsbereich bestätigen zudem, dass rechtliche Unsicherheit und gesellschaftliche Ausgrenzung den Zugang zu medizinischer Versorgung erheblich erschweren (siehe: Faissner, Mirjam, Beckmann, Laura, Freistein, Katja, Jungilligens, Johannes & Braun, Esther. (2024). Healthcare for sex workers—access, barriers, and needs. Ethik in der Medizin. 36).

Um systemische Ungleichheiten zu überwinden, sind Solidarität, Sichtbarkeit und eine gemeinsame politische Sprache entscheidend. In der Praxis bedeutet dies: Beratungs- und Unterstützungsangebote müssen nicht nur individuell schützen, sondern auch auf strukturelle Veränderungen hinwirken – sei es im Zugang zu Gesundheitsversorgung, im rechtlichen Schutz oder in der gesellschaftlichen Anerkennung von Sexarbeit als Arbeit.

Als Beratungsstelle für Sexarbeitende arbeitet Madonna e. V. auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse als auch orientiert an den Erfahrungen der Menschen, die wir beraten. Unser Ziel ist es, dass Sexarbeitende als Expert*innen ihrer eigenen Lebensrealitäten anerkannt werden, niedrigschwelligen Zugang zu Beratung, Informationen, Gesundheitsversorgung und rechtlichem Schutz erhalten und in ihrer Selbstbestimmung gestärkt werden.

Der Internationale Tag der Sexarbeiter*innenrechte ist daher nicht nur ein Gedenk- und Aktionstag: Er ist ein politischer Appell an Gesellschaft und Politik, Bedingungen zu schaffen, unter denen Sexarbeitende Sicherheit, soziale Teilhabe und wirtschaftliche Autonomie erfahren und in denen ihre Arbeit respektiert, anerkannt und geschützt wird.

Das Thema Sexarbeit polarisiert – doch die realen Arbeitsbedingungen, rechtlichen Rahmenbedingungen und die Perspektiven von Sexarbeiter*innen bleiben oft unsichtbar, auch in feministischen Diskursen. Im Rahmen der Feministischen Aktionswochen und des Internationalen Frauentages 2026 laden Madonna e.V. und die Sexworkers of Cologne zu einer gemeinsamen Veranstaltung ein:

Die Veranstaltung bietet einen Überblick über die Bedingungen, unter denen Sexarbeit in Deutschland stattfindet, und beleuchtet, wie unterschiedliche rechtliche Regelungen das Leben von Sexarbeiter*innen beeinflussen. Dabei wird deutlich: Jede Form staatlicher Regulierung und Repression macht Sexarbeit unsicherer und erschwert den Zugang zu Versorgung, Beratungsangeboten sowie Schutz vor Gewalt.

Im gemeinsamen Gespräch werden Fragen aus dem Publikum aufgegriffen und gemeinsam diskutiert.

  • Welche Fragen hattet ihr schon immer rund um das Thema?
  • Wie wirkt sich Stigmatisierung auf in der Sexarbeit tätige Personen aus?
  • Wie können Beratungsangebote auf Augenhöhe gelingen?
  • Warum spaltet dieses Thema die feministische Bewegung so stark?

Alle respektvollen Fragen und interessierten Zuhörer*innen sind herzlich willkommen. Personen, die die Veranstaltung aktiv stören wollen, sind ausdrücklich nicht eingeladen. Bei Störungen behält sich Madonna e.V. vor, Personen der Veranstaltung zu verweisen.

Hinweise:

  • Anmeldung: Die Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung bis zum 12.03.2026 per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. möglich.
  • Bild- und Tonaufnahmen sind nicht gestattet.
  • Der Veranstaltungsort ist leider nicht barrierearm. Bei Fragen zur Zugänglichkeit meldet euch bitte vorab per E-Mail.
  • Bitte kommt nicht zur Veranstaltung, wenn ihr krank seid oder Krankheitssymptome habt – aus Rücksicht auf alle Anwesenden.

 

Wir freuen uns auf einen spannenden Abend mit euch!

 

Veranstaltungsbild No bad whores – just bad laws! Sexarbeit zwischen selbstbestimmter Arbeit, Stigma und staatlicher Repression

 

Am 24. Januar feiern wir den Internationalen Tag der Bildung — ein Tag, der daran erinnert: Bildung ist ein fundamentales Menschenrecht und eröffnet Perspektiven auf Selbstbestimmung, Teilhabe und soziale Sicherheit. Für sexarbeitende Menschen ist Bildung besonders relevant, da sie damit nicht nur Zugang zu Informationen über Rechte, Gesundheit und rechtliche Rahmenbedingungen erhalten, sondern auch ihre ökonomische Unabhängigkeit stärken und Strategien entwickeln können, um Diskriminierung, Stigmatisierung und soziale Ausgrenzung zu begegnen.

Sexarbeitende sind oft mehrfach marginalisiert — durch gesellschaftliches Stigma, Diskriminierung und strukturelle Hürden. Untersuchungen zeigen, dass ein niedriger Bildungsstand die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass gesundheitliche, soziale und Bildungsangebote nicht genutzt werden, weil Informationen fehlen oder schwer zugänglich sind.

Barrieren beim Zugang zu Bildung und Gesundheitsangeboten sind weit verbreitet. Speziell peer-basierte Programme haben sich als wirksam erwiesen, um diese Hürden zu überwinden und Wissen sowie Selbstbestimmung zu fördern:

„Peer‑basierte Bildungs- und Gesundheitsangebote stärken das Empowerment und ermöglichen Sexarbeitenden, informierte Entscheidungen über Gesundheit, Sicherheit und soziale Teilhabe zu treffen.“

(aus: NSWP, 2021: Sex Work, Health, and Human Rights: Evidence for Peer-Based Approaches - 2021_sexworkhealthandhumanrights_1.pdf)

Bei Madonna e.V. setzen wir uns genau dafür ein: Wir machen Beratungs‑ und Informationsangebote niedrigschwellig und barrierefrei — ob rechtliche Beratung, Gesundheitsaufklärung oder Unterstützung beim Zugang zu Weiterbildung und sozialen Angeboten. Denn wir sind überzeugt: Bildung darf kein Privileg, sondern muss ein Recht für alle sein!

Unsere neue Website, gestaltet von Angie Radtke, wurde mit dem J!Otto-Award 2025 in der Kategorie Mittlere Website ausgezeichnet. Der J!Otto-Award ist ein Joomla Community Award und würdigt herausragende Webprojekte.

Ausgezeichnet wurden insbesondere

  • unser eigenes Template,
  • die hohe Performance sowie
  • die barrierearme und nutzer*innenfreundliche Gestaltung,

die den Zugang zu unseren Unterstützungs- und Beratungsangeboten deutlich erleichtert.

Für uns ist diese Auszeichnung eine besondere Anerkennung unserer Arbeit: Digitale Barrierefreiheit und eine klare, verständliche Struktur sind zentrale Voraussetzungen dafür, dass Informationen und Hilfsangebote alle erreichen – unabhängig von technischen, sprachlichen oder individuellen Hürden.

Wir freuen uns sehr über diese Würdigung und danken Angie Radtke für die großartige Zusammenarbeit.

Passend zum Jahresanfang starten wir mit einer Neuauflage unseres Lesekreises Sexarbeit. Der Lesekreis wurde zum Tag der Frauenarchive 2023 ins Leben gerufen und fand bislang regelmäßig in den Räumen unserer Beratungsstelle statt. Nachdem er im vergangenen Jahr krankheitsbedingt pausieren musste, möchten wir nun ein neues digitales Format ausprobieren, das auch Interessierte außerhalb Bochums erreicht.

Im Lesekreis lesen wir gemeinsam Selbstzeugnisse von Sexarbeitenden und tauschen uns darüber aus. Wenn ihr teilnehmen möchtet, schreibt uns eine E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.. Ihr erhaltet dann die Zugangsdaten für unseren Server auf Discord.

Das erste Treffen findet am 06. Januar 2026 um 18:30 Uhr online auf Discord statt.

Wir freuen uns auf eure Teilnahme!

Seit der Gründung im Jahr 2000 ist das Madonna-Archiv und Dokumentationszentrum SEXARBEIT ein einzigartiger feministischer Ort, an dem Wissen, Geschichte und Diskurse rund um Prostitution und Sexarbeit gesammelt, erschlossen und aufbereitet werden. Anlässlich dieses 25-jährigen Bestehens wurde am 17.10.2025 zur Jubiläumsfeier ins Prinz Regent Theater in Bochum eingeladen.

Grußwort von Marianne Schweizer (Aspasie, Schweiz)

Seit dem Jahr 2000 ist das Madonna - Archiv und Dokumentationszentrum SEXARBEIT ein feministischer Ort, in dem systematisch gesammelt, erschlossen und aufbereitet wird, was in Vergangenheit und Gegenwart über das Thema Prostitution und Sexarbeit verhandelt wurde und wird. Dieses 25-jährige Bestehen wollen wir mit euch feiern und laden euch am 17. Oktober um 18 Uhr zu unserer Jubiläumsfeier im Prinz Regent Theater ein! 

Bei Sekt und musikalischer Begleitung von Frathó wird Ruby Rebelde aus dem Buch "Warum sie uns hassen. Sexarbeitsfeindlichkeit" (2025) lesen. Das Buch handelt von der gesamtgesellschaftlichen Sexarbeitsfeindlichkeit, anhaltenden Stigmatisierung und Diskriminierung von Sexarbeitenden, aber auch von eigenen Erfahrungen in der Sexarbeit. Es wird einen Büchertisch geben, um die Bücher käuflich zu erwerben und von Ruby Rebelde signieren zu lassen.  

Außerdem sind wir einmal tief in unsere Bestände aus 25 Jahren des Erschließens und Erhaltens eingetaucht und haben spannende Zeugnisse der Hurenbewegung und des gesellschaftlichen Diskurses um Sexarbeit und Prostitution ausgewählt, die wir im Rahmen der Veranstaltung beispielhaft präsentieren werden.

Der Eintritt ist kostenfrei. Um Anmeldung per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. wird gebeten.

 

Wir freuen uns auf euch!

Am 4. September, dem Welttag der sexuellen Gesundheit, machen wir auf ein grundlegendes Recht aufmerksam: Sexuelle Gesundheit bedeutet mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Sie umfasst körperliches, emotionales, mentales und soziales Wohlbefinden und sie muss für alle Menschen zugänglich sein.

Sexarbeiter*innen stehen oft vor besonderen Herausforderungen: Viele berichten von Diskriminierung, fehlendem Zugang zu Gesundheitsversorgung und psychischem Stress.

(siehe: Faissner, Mirjam & Beckmann, Laura & Freistein, Katja & Jungilligens, Johannes & Braun, Esther. (2024). Healthcare for sex workers—access, barriers, and needs. Ethik in der Medizin. 36. - https://www.researchgate.net/publication/380376182_Healthcare_for_sex_workers-access_barriers_and_needs 

Dass ein sicherer Zugang zu Gesundheitsversorgung ohne Stigmatisierung für viele Sexarbeitende keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt das Zitat von der Sexarbeiterin und Aktivistin Lady Carmen:

„Selbst bei den Zwangsberatungen nach dem Prostituiertenschutzgesetz werden Sexarbeitende sehr selten über die PrEP aufgeklärt. Denn da steht der unausgesprochene Vorwurf im Raum, dass sie dann ‚natürlich‘ die Kondompflicht nicht mehr einhalten würden. Da herrschen mitunter paternalistische Vorverurteilungen, dass Sexarbeitende nicht fähig seien, täglich eine Tablette einzunehmen. Das finde ich schrecklich. Jeder Mensch hat ein Recht darauf, informierte Entscheidungen zu treffen!“

(aus: Nadja Zillken, „Frauen haben kaum Zugang zur PrEP“, Interview mit Lady Carmen, magazin.hiv, 7. März 2023 – https://magazin.hiv/magazin/praevention-wissen/prep/frauen-haben-kaum-zugang-zur-prep/)

In Bochum zeigt das Walk In Ruhr (WIR) – Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin – wie niedrigschwellige, diskriminierungsfreie Versorgung praktisch umgesetzt werden kann. Unter einem Dach arbeiten unter anderem die Aidshilfe, pro familia, Rosa Strippe und Madonna e.V. zusammen, um anonyme und kostenfreie Beratung, HIV- und STI-Tests, Impfungen, PrEP/PEP, medizinische Therapien und psychosoziale Unterstützung anzubieten. Diese Angebote stehen auch Menschen ohne Krankenversicherung zur Verfügung.

Am Welttag der sexuellen Gesundheit setzen wir gemeinsam mit dem WIR ein deutliches Zeichen: Gesundheit muss für alle ohne Angst und ohne Hürden zugänglich sein!

Am 24. Juni 2025 wurde die lang erwartete Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG) vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) veröffentlicht. Die Studie, durchgeführt vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), basiert auf umfangreichen Analysen sowie den Erfahrungen von Sexarbeitenden und Fachstellen aus verschiedenen Bundesländern.

Die Evaluation bestätigt, dass das Gesetz wichtige Ansätze zum Schutz von Sexarbeitenden enthält – etwa durch verbesserte Gesundheitsvorsorge und Beratungsangebote. Gleichzeitig weist der Bericht auf erhebliche Herausforderungen hin: Insbesondere verpflichtende Anmeldeverfahren und Ausweispflichten wirken stigmatisierend und abschreckend, was den Zugang zu Schutz- und Unterstützungsangeboten erschwert.

Als Beratungsstelle setzt sich Madonna e.V. für eine evidenzbasierte, menschenrechtsorientierte Entkriminalisierung von Sexarbeit ein, die die Rechte und Bedürfnisse von Sexarbeiter*innen berücksichtigt. Die Praxiserfahrungen zeigen: Repressive Regelungen erschweren den Zugang zu Schutz- und Unterstützungsangeboten, fördern Stigmatisierung und gefährden die Selbstbestimmung. Statt Kontrolle und Zwang sind rechtliche Rahmenbedingungen nötig, die Sicherheit, Teilhabe und Selbstbestimmung in den Mittelpunkt stellen.

Weiterführende Links:

Am 23. Juni 2025 waren wir bei der Lesung von Ruby Rebelde im Depot Dortmund zu Gast. Vorgestellt wurde das im Mai erschienene Buch „Warum sie uns hassen“, dessen erste Auflage bereits vergriffen ist: Ein deutliches Zeichen dafür, wie groß das Interesse an den Perspektiven von Sexarbeitenden ist.

Am 5. Juni feierten wir im Fluid – Zentrum für queere Kultur und (sexuelle) Bildung – gemeinsam mit zahlreichen Gäst*innen, Kooperationspartner*innen, Sexarbeitenden und Verbündeten den 50. Internationalen Hurentag. Dieser Tag geht zurück auf den 2. Juni 1975, als Sexarbeitende in Lyon, Frankreich, eine Kirche besetzten, um gegen die Kriminalisierung und gesellschaftliche Ausgrenzung ihrer Arbeit zu protestieren. Mit dieser Aktion machten sie auf ihre unsichtbaren Lebensrealitäten aufmerksam und forderten Anerkennung, Schutz und Rechte ein. Die Besetzung war ein Akt des Widerstands gegen staatliche Repression und moralische Verurteilung.

Am 9. Mai 2025 fand die Podiumsdiskussion „Frauen in der Sexarbeit – Sorgen, Nöte und politische Perspektiven“ der SPD-Frauen statt, moderiert von Stephie Helder-Notzon. Gemeinsam mit Anja Butschkau (MdL), Sarah Lahrkamp (Regionalvorstand Westliches Westfalen), sexarbeitenden Menschen sowie Sonja Volz und Mechthild Eickel, Vertreterinnen von Madonna e.V., wurde intensiv über die komplexen Herausforderungen und politischen Forderungen rund um das Thema Sexarbeit diskutiert.

Spendenkampagne: Spenden ist sexy – Helfen Sie uns, unsere Arbeit zu sichern!

In einer Zeit, in der die Stimmen einiger marginalisierter Gruppen oft überhört werden, ist das DDF-Projekt des Madonna – Archiv und Dokumentationszentrum SEXARBEIT im Jahr 2024 ein weiterer wichtiger Schritt für die Sichtbarmachung und Entstigmatisierung von Sexarbeitenden. Das Projekt, das sich der Dokumentation und Aufarbeitung des Aktivismus in der Sexarbeit widmet, ist inzwischen erfolgreich angelaufen und verspricht, einen bedeutenden Beitrag zur historischen Aufzeichnung und Würdigung dieser Bewegung zu leisten.

Rechtzeitig zur kalten Jahreszeit hat Madonna e.V. für die Frauen 110 selbstgestrickte, kuschelig warme Socken von "Stricksocken für RheinBerg e.V." bekommen.
Wir möchten uns herzlich dafür bedanken, sowie auch bei Allen, die uns in diesem Jahr finanziell, mit Tatkraft, Rat und Hilfe unterstützt haben!
Wir wünschen Allen eine friedliche Weihnachtszeit und einen guten Start ins neue Jahr! ...und bleiben Sie gesund!
Das Madonna-Team

Heute ist der Tag gegen Gewalt gegen Sexarbeiter*innen.
Dieser Tag erinnert an einen Massenmord an Sexarbeiterinnen in den 80er Jahren. Gary Ridgway, der sog. „Green River Killer“, hatte in Seattle in den USA mindestens 49 Sexarbeiterinnen getötet. Erst 2001 wurde er vor Gericht gestellt und 2003 zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

Am 3. März ist der Internationale Tag für die Rechte von Sexarbeitenden! Madonna e.V. präsentiert an diesem Tag im Rahmen der Bochumer Frauenwochen 2023 unter dem Motto #BeEmpowered - selbstbestimmt und solidarisch den preisgekrönten Dokumentarfilm Frauenzimmer von Saara Aila Waasner. Der Film erzählt die Geschichte dreier Frauen zwischen 49 und 64, die ihr Geld mit Sexarbeit verdienen. Der Regisseurin gelingt mit Frauenzimmer ein herzliches und liebevolles Portrait dieser Frauen fernab von Exhibitionismus oder Vorurteilen. Die Veranstaltung ist kostenlos und findet um 19:00 Uhr (18:30 Uhr Einlass) in den Räumen der Beratungsstelle Madonna an der Alleestr. 50, 44793 Bochum statt. Im Anschluss an die Vorführung laden wir bei Sekt und Häppchen zum Filmgespräch mit Sexarbeitenden aus dem Ruhrgebiet ein. Wir freuen uns auf Euren/Ihren Besuch!