Seit 2002 ist Sexarbeit in Deutschland legal. Seit 2017 soll das Prostituiertenschutzgesetz die Arbeitsbedingungen von Sexarbeiter*innen verbessern und ihren Schutz erhöhen. Trotz dieser gesetzlichen Regelungen sind Stigmatisierung und Diskriminierung nach wie vor weit verbreitet. Viele Sexarbeitende arbeiten unter prekären Bedingungen und sind von Gewalt, Ausbeutung oder unsicheren Arbeitsverhältnissen betroffen.

Madonna e.V. setzt sich deshalb dafür ein, die Rechte von Sexarbeitenden weiter zu stärken, sie zu unterstützen und ihre gesellschaftliche Anerkennung zu fördern.

Zahlen und Fakten

  • Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren zum Jahresende 2024 in Deutschland 32.254 Sexarbeitende nach dem Prostituiertenschutzgesetz angemeldet. Das entspricht einem Anstieg von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz dieser Entwicklung liegt die Zahl weiterhin deutlich unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie, als Ende 2019 rund 40.400 Personen angemeldet waren. (Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)Prostituiertenschutz – Statistik zur Prostitutionstätigkeit 2024)
  • Die tatsächliche Zahl der in Deutschland tätigen Sexarbeitenden lässt sich nicht verlässlich bestimmen. Die 2025 veröffentlichte Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes weist darauf hin, dass die Datenlage weiterhin unzureichend ist und viele Schätzungen auf unterschiedlichen Annahmen beruhen. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass die Zahl der tatsächlich tätigen Sexarbeitenden über der Zahl der offiziell angemeldeten Personen liegt. Belastbare Aussagen über das tatsächliche Ausmaß sind derzeit nicht möglich. (Quelle: Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes 2025)
  • Ein großer Teil der in Deutschland tätigen Sexarbeitenden hat eigene Migrationserfahrungen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes besaßen Ende 2024 rund 83 Prozent der angemeldeten Sexarbeitenden keine deutsche Staatsangehörigkeit. Die größten Gruppen stammten aus Rumänien (36 Prozent), Bulgarien (11 Prozent) und Spanien (8 Prozent). Für viele Betroffene spielen Sprachbarrieren, aufenthaltsrechtliche Fragen, fehlende Informationen über ihre Rechte sowie der Zugang zu Gesundheitsversorgung und sozialen Unterstützungsangeboten eine wichtige Rolle. (Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Prostituiertenschutz – Statistik zur Prostitutionstätigkeit 2024)
  • Sexarbeit ist ein bedeutender Wirtschaftszweig. Verlässliche aktuelle Daten zum Umfang des Marktes liegen jedoch nicht vor. Schätzungen gehen weiterhin von einer hohen Nachfrage nach sexuellen Dienstleistungen und einem jährlichen Umsatz in Milliardenhöhe aus. Gleichzeitig weist die Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes darauf hin, dass belastbare Daten zur tatsächlichen Größe des Marktes und zur Zahl der Kund*innen derzeit fehlen. (Quelle: Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes 2025)

Soziale Aspekte

Viele Sexarbeitende mit Migrationserfahrung stehen vor besonderen Herausforderungen. Sprachbarrieren, fehlende Informationen über rechtliche Regelungen sowie Unsicherheiten im Umgang mit Behörden erschweren oft den Zugang zu wichtigen Unterstützungsangeboten. Auch der Zugang zu Gesundheitsversorgung und die Prävention sexuell übertragbarer Infektionen stellen für viele Menschen in der Sexarbeit besondere Herausforderungen dar. Deshalb sind niedrigschwellige Beratungsangebote, mehrsprachige Informationen und ein einfacher Zugang zu medizinischer Versorgung von großer Bedeutung.

Stigmatisierung und Diskriminierung:

Sexarbeit gehört weiterhin zu den am stärksten stigmatisierten Tätigkeitsfeldern in Deutschland. Viele Sexarbeitende erleben Vorurteile, soziale Ausgrenzung und Benachteiligungen im Alltag. Aus Angst vor Diskriminierung oder negativen Konsequenzen verzichten manche darauf, ihre Tätigkeit offen zu legen oder offiziell anzumelden. Nicht selten entstehen dadurch zusätzliche Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche, im Kontakt mit Behörden, im Gesundheitswesen oder im privaten Umfeld. Trotz des gesetzlichen Rahmens bleibt die soziale und rechtliche Situation vieler Sexarbeitender prekär. Die bestehenden Regelungen sollen Schutz bieten, werden von Betroffenen und Fachorganisationen jedoch teilweise auch kritisch diskutiert.

Eine komplexe gesellschaftliche Realität

Die Situation von Sexarbeitenden in Deutschland ist vielschichtig. Einerseits sollen gesetzliche Schutzmaßnahmen Sicherheit und bessere Arbeitsbedingungen gewährleisten. Andererseits stellt sich immer wieder die Frage, wie diese Regelungen ausgestaltet sein müssen, damit sie die Rechte, die Selbstbestimmung und die Lebensrealität von Sexarbeitenden ausreichend berücksichtigen.

 

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