Am 28. September ist Safe Abortion Day: Der internationale Aktionstag für das Recht auf einen sicheren Schwangerschaftsabbruch. Entstanden ist er 1990 beim Lateinamerikanischen und Karibischen Feminist*innentreffen in Argentinien, als „Campaña 28 Septiembre“ für die Entkriminalisierung von Abbrüchen. Heute machen weltweit Frauenrechts- und Menschenrechtsorganisationen an diesem Tag auf die Missstände beim Zugang zu sicheren Abbrüchen aufmerksam.

Medizinisch ist die Sache klar: Die WHO stuft einen fachgerecht durchgeführten Schwangerschaftsabbruch als einfachen, sicheren Eingriff ein. Gefährlich wird er dort, wo er kriminalisiert, stigmatisiert oder schwer zugänglich ist. Weltweit betrifft das nach WHO-Schätzungen weiterhin über 25 Millionen unsichere Abbrüche pro Jahr. Nicht der Eingriff macht ihn riskant, sondern die Umstände, unter denen er stattfinden muss.

Auch in Deutschland ist ein Abbruch bis heute nicht legal, sondern nur unter bestimmten Bedingungen straffrei. § 218 StGB besteht fort. 2022 wurde immerhin das Werbeverbot nach § 219a StGB gestrichen, sodass Ärzt*innen endlich sachlich informieren dürfen. Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung fordert seither weiter: die ersatzlose Streichung der §§ 218 und 219 StGB, eine wohnortnahe medizinische Versorgung und Schwangerschaftsabbruch als festen Teil der gynäkologischen Ausbildung. Jedes Jahr rund um den 28. September finden bundesweit Aktionstage und Demonstrationen statt, zuletzt unter Mottos wie „Schwangerschaftsabbruch ist Grundversorgung, egal wo, egal wer, egal warum“.

Kriminalisierung trifft nie alle gleich. Wer Angst vor Strafe, Bloßstellung oder Ausweisung hat, sucht seltener rechtzeitig Hilfe. Besonders hart trifft das Menschen ohne gesicherten Aufenthalt und ohne Versicherung, ebenso Sexarbeitende, die ohnehin schon stigmatisiert und rechtlich unsicher leben und denen es doppelt schwerfällt, offen über reproduktive Gesundheit zu sprechen.

Reproduktive und sexuelle Selbstbestimmung gehören zusammen: Das Recht, ohne Zwang über den eigenen Körper zu entscheiden, sei es über eine Schwangerschaft oder über Sexualität und Arbeit. Wie es das ver.di-Bündnis zum diesjährigen Aktionstag formuliert: Selbstbestimmung über den eigenen Körper darf nicht vom Wohnort oder politischen Mehrheiten abhängen.

Sicherer Schwangerschaftsabbruch für alle bedeutet: Entkriminalisierung statt Strafverfolgung, Versorgung statt Wegschauen, Selbstbestimmung statt Bevormundung.

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