Der Internationale Tag der Sexarbeiter*innenrechte am 3. März ist ein weltweiter Gedenk- und Aktionstag, der auf die fortdauernden Kämpfe von Sexarbeitenden um die Anerkennung ihrer Menschen- und Arbeitsrechte aufmerksam macht. Im Zentrum stehen Fragen rechtlicher Gleichstellung, des Schutzes vor Gewalt, des Zugangs zu Gesundheitsversorgung sowie der gesellschaftlichen und institutionellen Anerkennung von Sexarbeit als Erwerbstätigkeit.

Internationale Forschungs- und Menschenrechtsorganisationen weisen seit Jahren darauf hin, dass nicht die Sexarbeit selbst, sondern vor allem ihre rechtliche und soziale Regulierung maßgeblich die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeitenden bestimmt. Amnesty International kommt in seiner Policy zu Sexarbeit zu dem Ergebnis, dass kriminalisierende oder restriktive Regulierungsansätze das Risiko von Gewalt erhöhen, den Zugang zu Justiz und Gesundheitsversorgung erschweren und strukturelle Abhängigkeiten verstärken.
(siehe: Amnesty International. (2016). Policy on State Obligations to Respect, Protect and Fulfil the Human Rights of Sex Workers. London. https://www.amnesty.org/en/documents/pol30/4062/2016/en/)

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont, dass Stigmatisierung, Strafverfolgung und polizeiliche Repression zentrale Barrieren für Prävention, gesundheitliche Versorgung und Beratung darstellen. In ihren Leitlinien zur Gesundheitsversorgung von Sexarbeitenden wird ein menschenrechtsbasierter Ansatz gefordert, der den Abbau rechtlicher und sozialer Ausschlüsse in den Mittelpunkt stellt.
(siehe: World Health Organization. (2012). Prevention and treatment of HIV and other sexually transmitted infections for sex workers in low- and middle-income countries. WHO Press, Genf. https://apps.who.int/iris/handle/10665/77745; sowie: World Health Organization & UNFPA & UNAIDS & NSWP. (2013). Implementing comprehensive HIV/STI programmes with sex workers: Practical approaches from collaborative interventions. WHO Press, Genf. https://apps.who.int/iris/handle/10665/128153)

Empirische Studien zeigen, dass Sexarbeitende insbesondere dort vulnerabel werden, wo rechtliche Unsicherheit, behördliche Kontrolle und gesellschaftliche Abwertung zusammentreffen. Die Soziologin Gail Pheterson beschreibt Stigmatisierung als ein wirkmächtiges soziales Instrument, das nicht nur Ausgrenzung produziert, sondern auch den Zugang zu Rechten und Schutzmechanismen systematisch beschränkt.
(siehe: Pheterson, Gail. (1996). The Prostitution Prism. Amsterdam University Press)

Der Internationale Tag der Sexarbeiter*innenrechte am 3. März ist ein Anlass, die strukturellen Bedingungen von Sexarbeit kritisch zu analysieren, Stigmatisierung entgegenzutreten und politische sowie gesellschaftliche Rahmenbedingungen einzufordern, die Selbstbestimmung, Sicherheit und soziale Teilhabe von Sexarbeitenden ermöglichen.

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